Sommerblues: Wenn die schönste Jahreszeit zur Belastung wird
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Sonne, Ferien, Leichtigkeit – so wird der Sommer gerne gezeichnet. Für viele Menschen ist aber gerade diese Jahreszeit eine besondere Belastung: anhaltende Niedergeschlagenheit, innere Unruhe, Schlafprobleme. Das Phänomen wird als «Sommerblues» bezeichnet und ist verbreiteter, als die Bilderwelt von Sommerabenden vermuten lässt.
Im folgenden Interview ordnet Jasmin Steiner, Psychotherapeutin und Clinical Expert bei Klenico, ein, woran man den Sommerblues erkennt, wann er mehr ist als eine vorübergehende Verstimmung und was helfen kann.
Viele Menschen verbinden den Sommer mit Glück und Leichtigkeit. Woher kommt dieser Erwartungsdruck?
Sonnige Tage, Ferien, Grillen und gesellige Abende draussen. All das wird in sozialen Medien, in der Werbung und im gesellschaftlichen Miteinander als die schönste Zeit des Jahres gefeiert. Wer diesem Bild nicht entspricht, bekommt schnell das Gefühl, irgendwie zu versagen oder undankbar zu sein. Im Sommer entsteht ein unausgesprochener Druck, draussen zu sein, aktiv zu sein und sichtbar gut gelaunt zu wirken. Für viele Menschen ist genau das eine zusätzliche Belastung, auch wenn sie das nach aussen hin nicht zeigen.
Ein enormer psychischer Druck entsteht durch den sogenannten Kontrast-Effekt. Der Sommer wird so für das Nervensystem und die Psyche zu einer echten Zerreissprobe.
Was versteht man unter «Sommerblues»?
Der Sommerblues beschreibt eine anhaltende Niedergeschlagenheit, eine innere Leere oder emotionale Erschöpfung, die in den Sommermonaten auftritt oder sich verstärkt. Die sogenannte Saisonale Affektive Störung (SAD), die meist mit dem Winter assoziiert wird, kann auch im Sommer auftreten. Während Menschen im Winter unter Antriebslosigkeit, erhöhtem Schlafbedürfnis und Heisshunger leiden, kippt das System beim Sommerblues ins Gegenteil um und Betroffene erleben innere Unruhe, ausgeprägte Ein- und Durchschlafstörungen sowie Appetitverlust. Oftmals sind diese Symptome auch erste Warnzeichen einer beginnenden klassischen Depression.
Welche Faktoren können dazu führen, dass sich Menschen gerade im Sommer belastet fühlen?
Dass Menschen sich im Sommer stark belastet fühlen, liegt an einer Kombination aus biologischem und psychosozialem Stress. Auf der einen Seite blockiert die extreme, langanhaltende Helligkeit das Schlafhormon Melatonin, während heisse Nächte die nötige Abkühlung des Körpers verhindern. Dieser chronische Schlafmangel und die ständige Kreislaufbelastung führen zu einer tiefen Erschöpfung und innerer Unruhe. Auf der anderen Seite entsteht ein enormer psychischer Druck durch den sogenannten Kontrast-Effekt. Wenn das gesamte Umfeld scheinbar unbeschwert das Leben im Freien feiert, verstärkt das die eigene Einsamkeit und das Gefühl der Isolation. Hinzu kommen der Druck, das gute Wetter optimal für Freizeitaktivitäten nutzen zu müssen, sowie körperliche Unsicherheiten durch die leichtere Sommerkleidung. Der Sommer wird so für das Nervensystem und die Psyche zu einer echten Zerreissprobe.
Woran kann man erkennen, dass es mehr als eine vorübergehende Verstimmung ist? Gibt es bestimmte Warnsignale?
Die Grenze zwischen einer vorübergehenden Verstimmung und einer Depression lässt sich vor allem an der Dauer und der Intensität der Symptome erkennen. Ein normaler Sommerblues kommt und geht. Bei einer depressiven Episode dauert die Niedergeschlagenheit oder die innere Unruhe über mindestens zwei Wochen ununterbrochen an; und zwar jeden Tag, völlig unabhängig vom Wetter.
Das deutlichste Warnsignal im Alltag ist die völlige Freudlosigkeit. Wenn Dinge, die man normalerweise liebt, plötzlich nur noch eine emotionale Leere hinterlassen, ist das ein klares Alarmzeichen. Hinzu kommt eine lähmende Blockade, die selbst einfache Aufgaben wie Duschen oder Einkaufen fast unbezwingbar wirken lässt. Wenn sich dazu noch quälende Schlaflosigkeit trotz Erschöpfung und kreisende Schuldgefühle gesellen, weil man den Sommer nicht wie alle anderen geniessen kann, sollte professionelle Hilfe gesucht werden.
Wie kann der Mental Health Check von Klenico hier Orientierung geben?
Genau bei dieser schwierigen Unterscheidung bietet der Klenico Mental Health Check eine wissenschaftlich fundierte Orientierung. Betroffene können so niederschwellig und diskret prüfen, ob hinter der sommerlichen Belastung ein vorübergehendes Tief steckt oder ob es sich um eine behandlungsbedürftige Depression handelt. Da wir 21 Belastungsbereiche sehr tiefgründig abfragen, erfasst der Check depressive Symptome wie Schlaflosigkeit, innere Unruhe oder anhaltende Freudlosigkeit sehr präzise. Das Ziel ist es, diese Belastungen frühzeitig abzuklären, bevor sie chronisch werden, und eine passende Behandlung zu erhalten.
Was passiert nach dem Ausfüllen des Fragebogens?
Direkt nach dem Ausfüllen erhält die Person eine erste bildliche Einordnung ihrer Symptome. Danach kann ein Videocall bei eine:r unserer Psychotherapeut:innen gebucht werden. Dieses persönliche Gespräch ist uns besonders wichtig, um den Betroffenen von Anfang an eine professionelle Begleitung an die Seite zu stellen. Gemeinsam schauen wir uns an, ob die Symptome auf eine Depression oder eine andere psychische Belastung hinweisen. Je nach Schweregrad empfehlen wir zum Beispiel eine Psychotherapie, eine Beratung oder spezifische Online-Angebote. Die Menschen erleben diese direkte Unterstützung meist als sehr entlastend, weil ihr psychisches Befinden ernst genommen wird und es klare nächste Schritte für sie gibt.
Jasmin Steiner ist approbierte Psychotherapeutin und arbeitet bei Klenico Health als Clinical Expert. In ihrer Arbeit befasst sie sich mit klinischen Inhalten des Mental Health Checks und begleitet Personen psychotherapeutisch in ihrer Praxis.
Über den Mental Health Check von Klenico Health
Haben Sie das Gefühl, dass Ihnen die sommerliche Hitze oder anhaltende Unruhe schwer zu schaffen machen? Der wissenschaftlich fundierte Mental Health Check von Klenico erfasst Symptome aus 21 Belastungsbereichen und macht Ihre mentale Gesundheit in einer visuellen Symptomkarte greifbar. Im anschliessenden Videocall mit einer psychotherapeutischen Fachperson erhalten Sie eine persönliche Einordnung und klare Empfehlungen für Ihre nächsten Schritte. Das Angebot ist für Zusatzversicherte bei Sanitas kostenlos. Grundversicherte profitieren von einem Sonderpreis.

